Nachdem Weinkritiker Robert Parker vorgestern Nacht als letztende bedeutende Instanz seine Bewertungen zu den Bordeaux Primeurs 2008 abgeben hatte, zeigte sich in den Stunden danach, dass sein Einfluss noch immer enorm ist. Zumindest, was die Preisentwicklung auf dem Zweitmarkt angeht.
Weil Parker den 2008er Jahrgang überraschend und exklusiv als den besten seit 2000 bezeichnet und gleich mehrere Rotweine mit deutlich mehr als 95/100 Punkten beschenkt, ja zuweilen gar an der 100/100 kratzt, sind die anfangs der Kampagne moderaten Preise vieler Top-Châteaux rasant nach oben geklettert.
Besonders augenfällig trifft das auf den Ch. Lafite-Rothschild zu, den Big Bob mit 98-100/100 Punkten und den markigen Worten hofiert:
»One of the most profound young wines I have ever tasted.«
Der Liv-ex Fine Wine Market Blog veröffentlichte gestern ein Diagramm, das die irrwitzige Preisentwicklung des Premier Cru classé (18/20 im aktuellen WeinWisser) seit Beginn der Primeur-Kampagne nachzeichnet.
Bis kurz vor Veröffentlichung der Parker-Bewertungen wurde die 12er-Kiste in London mit £2000 gehandelt, nach Bekanntwerden der Traumbewertung wechselte das Dutzend für £3,500 den Besitzer. »It’s down now to about £3000«, zitiert decanter.com Jack Hibberd von Liv-ex. »But it shows the Parker effect is still strong.«
Andererseits befürchten britische Weinhändler nun eine Beeinträchtigung der laufenden Kampagne, sollte sich die Preisentwicklung all zu sehr an Parkers überraschendes Verdikt anlehnen. Simon Staples, sales and marketing director bei Berry, Bross & Rudd, sparte nicht mit Spott, als er Parkers exklusive Meinung über die 2008er Primeurs via Twitter kommentierte:
»No-one else believes this vintage is outstanding. Parker went crazy about 2003, on his own, and he missed 2005 when everyone loved it and now he is screaming about 2008, when we just think it was better than we had hoped for.«
Wird Parkers Einfluss (bzw. Zurechnungsfähigkeit) allerorten kommentiert und zuweilen auch bezweifelt, so ist die Macht von Lafite evident. Der Wein findet problemlos auch zu einem Preis von £3,000 seine Käufer.
Andererseits stellt das Livex-Blog fest:
»In contrast, the market for many other high-scoring 2008s has been far more subdued. A warning, perhaps, to the chateaux that are yet to release.«
Wir alle warten übrigens noch immer gespannt auf die Preise von Cos d’Estournel (WW 18/20; RP: 94-96+), Montrose (18/20; 95-97), Léoville-Las-Cases (18/20; 95-97+) und Pontet-Canet (18/20; 96-98+). Sowie natürlich auf die Kurse vom rechten Ufer, das bei Robert Parker im Wine Advocate wie auch bei René Gabriel im aktuellen WEINWISSER besonders gut weggekommen ist. Gut möglich, dass sie schmerzhaft ausfallen.